“Ausfahrt vor der Tür” für Finsterbusch

IRTA-Test-Jerez-2013Heimspiel für Toni Finsterbusch: Zum fünften Mal ist der Krostitzer bei einem WM-Lauf am Sachsenring dabei und hofft nach der bislang enttäuschenden Saison auf ein Erfolgserlebnis vor Familie und Freunden.

Hohenstein-Ernstthal (SID) Toni Finsterbusch kramt ein wenig im Gedächtnis. “Das müsste 2006 gewesen sein”, sagt der 20-Jährige, als seine Erinnerungen an das erste Erlebnis am Sachsenring zurück sind: “Da habe ich zugeschaut.” Längst ist der Krostitzer von der Tribüne in den WM-Zirkus gewechselt, beim Rennen der Moto3 am Sonntag (11.00 Uhr/Sport1) steht für den Motorrad-Piloten bereits das fünfte Heimspiel seiner Karriere an.

Finsterbusch kann es kaum noch erwarten. Die Anspannung ist zuletzt von Tag zu Tag gestiegen, der alljährliche Grand Prix auf dem Traditionskurs bei Hohenstein-Ernstthal ist für den Sachsen keiner wie jeder andere. Zu Hause steht er unter besonderer Beobachtung – wie immer.

“Meine Eltern sind dabei, meine Schwester kommt. Und auch ein paar Freunde. Das ist ein zusätzlicher Ansporn”, sagt Finsterbusch im Gespräch mit dem SID. Die Unterstützung hat dem gebürtigen Leipziger schon 2011 (12.) und 2012 (11.) geholfen, seine besten WM-Ergebnisse holte der Kalex-Pilot 150 Kilometer von seiner Haustüre entfernt.

Dabei ist das Verhältnis zum Kurs eher etwas kühl. “Andere Strecken machen mir mehr Spaß, das gebe ich ehrlich zu”, sagt Finsterbusch – und liefert eine einfache Erklärung: “Man fährt eigentlich die ganze Zeit in Schräglage. Es ist sehr eng und die ganze Zeit geht es linksrum.” Mugello und Assen, wo er vor gut zwei Wochen als 24. erneut klar die Punkteränge verpasste, kommen besser an.

Es geht nicht auf die Lieblingsstrecke, doch Finsterbusch freut sich dennoch “riesig”. Allein wegen der Atmosphäre sei es “richtig schön, dort zu fahren”. Nicht nur die Stimmung direkt an der Strecke, auch das Drumherum hat es ihm angetan. Der Lokalmatador schaut bei der PS-Party rund um den Ankerberg aus nächster Nähe zu. “Ich bin mit dem Wohnmobil relativ nah an der Strecke. Ich kriege viel mit.”

Finsterbusch ist in der WM ein unbeschriebenes Blatt, am Sachsenring aber anders als auf den übrigen 16 WM-Stationen einer der gefragteren Piloten. Den Kugelschreiber muss er häufig zücken. “Es kommen mehr Autogrammwünsche”, sagt Finsterbusch, als es um die Unterschiede zu den anderen Rennen geht: “Und die Fans feuern einen mehr an.”

Das Wochenend-Programm steht, die Anzahl der Termine ist überschaubar. “Ganz angenehm”, findet das Finsterbusch. Denn die Konzentration muss in erster Linie der Arbeit auf und nicht neben der Strecke gelten. Schließlich soll endlich ein Erfolgserlebnis her.

“Nicht so gut” fällt das Fazit zur Halbzeit der Saison aus. Von seinem zweiten Jahr als Fixstarter hat sich Finsterbusch deutlich mehr versprochen: “Wir hatten einige Probleme, dann kam auch noch Pech dazu. Es lief nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte.”

Drei Ausfälle, dazu die Plätze 18, 19, 21 und 24 stehen in der Bilanz 2013. Das Kiefer Racing Team und Finsterbusch wollen mehr. “Wir versuchen, vor der Sommerpause nochmal ein richtig gutes Rennen zu zeigen”, sagt der frühere Motocrossfahrer.

Der Große Preis von Deutschland, das Rennen auf gutem Pflaster, kommt zum richtigen Zeitpunkt. Die Erwartungen sind wegen der mäßigen Ergebnisse in den vergangenen Monaten eher gering. “Mein Ziel ist es, in die Punkte zu fahren”, erklärt Finsterbusch, weiß aber, dass es schwierig wird. “Das ganze Feld ist viel enger zusammen als im letzten Jahr.”

Wie es in der kommenden Saison weitergeht, interessiert Finsterbusch (noch) nicht. Im Moment zählt nur das Hier und Jetzt. “Ich muss erstmal zusehen, dass ich ordentliche Ergebnisse hinbekomme”, sagt Finsterbusch und macht sich Druck. Vielleicht klappt’s ja wieder am Sachsenring.